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Zwei Metriken, die austauschbar klingen, auf gegensätzliche Hebel zeigen - und leise entscheiden, ob dein Team an der richtigen Sache arbeitet.

Die Zykluszeit ist, was dein Team kontrolliert. Die Durchlaufzeit ist, was deine Kund:in fühlt. Die eine zu optimieren, ohne die andere zu beobachten, ist der Weg, wie Teams in der Produktion schneller werden, während Kund:innen unzufriedener werden.
Zykluszeit ist die Zeit, die eine Karte aktiv in den Produktions-Phasen verbringt - vom Eintritt in Phase 1 bis zum Verlassen der letzten Phase. Durchlaufzeit ist die Zeit von der Bestellung der Kund:in bis zur Lieferung an die Kund:in - inklusive Zykluszeit plus Wartezeit im Backlog vor Phase 1 plus jede Verzögerung nach Phase N. Beide werden leicht verwechselt; an ruhigen Tagen sind sie nah. Der Tag, an dem sie auseinanderlaufen, ist der Tag, an dem du lernst, welche du eigentlich optimierst.
Die Zykluszeit ist die Metrik, die dein Team voll besitzt - messbar, intern verbesserbar, klar auf dem Board sichtbar. Die Durchlaufzeit liegt teilweise außerhalb (wann kam der Auftrag? wie lange lag er im Backlog, bevor jemand ihn zog?). Die Versuchung: Zykluszeit-Verbesserungen feiern, während die Durchlaufzeit stagniert oder wächst. Aus Kunden-Sicht wird das Team nicht schneller - ihr Warten bleibt gleich oder wird länger.
Die Durchlaufzeit ist das Erleben der Kund:in. Sie ist auch die Metrik, an der Produktions-Unternehmen Aufträge verlieren - nicht an der Zykluszeit, die die Kund:in nie sieht. Ein Team mit 6 Tagen Zykluszeit, das aber weitere 12 Tage im Backlog wartet, hat 18 Tage Durchlaufzeit; die Kund:in merkt sich 18, nicht 6. Der Blick auf die Durchlaufzeit legt das offen, was leise übersehen wurde (Intake-Geschwindigkeit, Backlog-Pflege, Warteschlangen-Priorisierung).
Der 30-Tage-Delta-Check
Einmal im Monat: 30-Tage-Median Zykluszeit und 30-Tage-Median Durchlaufzeit ansehen. Sind beide grob stabil, ist das System im Gleichgewicht. Ist die Zykluszeit gefallen, die Durchlaufzeit aber gleich geblieben, wurde das Team schneller in der Produktion - die Kund:in hat es aber nicht gemerkt. Die Warteschlange hat den Gewinn aufgefressen. Das Signal: nächsten Monat geht es um Intake und Backlog-Pflege, nicht um Produktions-Tuning.
Ist die Durchlaufzeit deutlich größer als die Zykluszeit, ist das Warten der Engpass - Arbeit liegt vor der Produktion. Aktion: Backlog kürzen (ältere Items priorisieren), Intake-Qualität straffen (keine Arbeit annehmen, die das Team nicht packen kann), oder WIP an der Engpass-Phase anheben, wenn sie wirklich unterbesetzt ist. Liegen Zyklus- und Durchlaufzeit nah beieinander, ist die Warteschlange nicht das Problem; die Phasen sind es. Aktion: Engpass-Analyse (siehe /topics/finding-your-bottleneck) innerhalb der Phasen. Das Dashboard von Production Board zeigt beide Metriken - du siehst auf einen Blick, welches Problem heute vorliegt.
Wenn du nur eine Zahl ansiehst: die Liefer-Treue-Rate - Prozent der Karten, die zum versprochenen Datum geliefert wurden. Sie fasst Zyklus- und Durchlaufzeit in einem Signal zusammen, das sich mit dem Kunden-Interesse deckt. Ein Team, das die Liefer-Treue optimiert, beobachtet beide Metriken automatisch - beide speisen sie. Ein Team, das pure Zykluszeit jagt, verbessert oft das Falsche.
Häufige Fragen
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